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Die Geschichte der Bäckerei Meier - 2.Teil

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Eine Abschlussarbeit von Monika Meier, April 2012 Zum Anfang HIER klicken 9 Interviews 9.1 Mit Elsbeth Meier - Meier, meinem Grosi  Wie lange arbeitest du schon in der Bäckerei?  Seit ich Theodor (II) geheiratet habe, also im Jahr 1956. Was waren deine Arbeiten in den ersten Jahren? Ich habe in der Bäckerei, auf dem Land und auch ein wenig im Laden gearbeitet. Als mein Mann dann in den WKs war, habe ich fast alles alleine gemacht. Mein Schwiegervater hatte nie Bäcker gelernt. Er machte daher einfach das normale Brot, also dunk-les und weisses Brot und Weggli. Ich machte dann jeweils noch zusätzlich Fladen. Was ist heute deine Hauptbeschäftigung im Betrieb? So gut es geht noch zu helfen: Bestellungen entge-gen nehmen, auf die Tour gehen und manchmal noch kleine Dinge in der Bäckerei helfen. Ihr hattet früher zusätzlich zur Bäckerei noch einen Bauernhof. Wie habt ihr beides betrieben? Wir arbeiteten am frühen Morgen in der Bäckerei, dazwischen auf dem Bauernhof. Später am Tag, ging mein Schwiegervater auf die Brottour und mein Mann und ich arbeiteten auf dem Land. Als wir dann Kinder hatten, war ich einfach zuhause, habe nach den Kindern geschaut und habe in der Bäckerei mit-geholfen. Theo II und du habt 7 Kinder. Ab wann begannen diese in der Bäckerei mitzuarbeiten?  Sobald sie irgendwie mithelfen konnten. Meine älte-ste Tochter Elsbeth. musste schon mit vier Jahren mit ihrem Grossvater auf die Tour gehen. Haben deine Kinder damals in der Bäckerei und auf dem Bauernhof geholfen? Sie haben einfach dort geholfen, wo es nötig war. Die älteren Kinder haben nach den jüngeren ge-schaut und haben ihrer Grossmutter, soweit es ging, im Laden geholfen. Ab wann übernahmen dein Mann und du die Bäckerei? Das war im Jahr 1965. Gab es einen Grund warum er die Bäckerei genau zu diesem Zeitpunkt übernahm?  Ja, denn es musste eine neue Kraft ans Werk. Mein Schwiegervater, wurde auf die Zeit auch stur und mein Mann sagte, dass entweder er jetzt die Firma übernimmt, oder er sich sonst anderweitig umsehen werde. Wollte Theo II nie etwas anderes werden? Es war für ihn einfach klar, dass er die Firma übernehmen wird, weil er der einzige Sohn war. Aber er wollte manchmal schon etwas anderes werden. Das Haus, in der die Firma ist, wurde ja in diesen 120 Jahren mehrmals umgebaut. Das erste Mal war 1929. Weisst du, welcher Teil des Hauses damals verändert wurde?  Was ich gehört habe, ist einfach, dass der Laden vom Wohnzimmer abgetrennt wurde und einen se-paraten Raum bekam. 1960 habt ihr einen neuen, elektrischen Backofen einbauen und den Holzbackofen entfernen lassen. Habt ihr zu dieser Zeit Urlaub gemacht, oder wie habt ihr da gearbeitet?  Wir hatten in dieser Zeit das Brot von Bolligers, bei dem mein Mann auch einen Teil seiner Ausbildung gemacht hatte. Bei uns hätte man gar nicht arbeiten können, da alles voller Staub war. Die Kinder waren in dieser Zeit bei meiner Schwester in der Zelg. Der letzte Umbau fand 1997 statt. Was wurde zu diesem Zeitpunkt alles verändert?  Mein Sohn liess die Scheune und den Stall abreissen, damit man dort eine grössere Backstube einrichten konnte. Also gingen wir dann von der früheren Backstube, welche heute die Küche ist, in die neuen Produktionsräume. Habt ihr während diesem Umbau einfach in der alten Bäckerei weiter gearbeitet? Ja, bis dann in der neuen Backstube alles bereit war, haben Theodor II und ich wie gewohnt produziert, während Theo III zusammen mit seinen Brüdern den Neubau realisiert hat. Weshalb habt ihr 1997 umgebaut? Mein Sohn hätte es gerne grösser gehabt und auch wir sahen, dass man so nicht mehr weiter machen konnte. Da mein anderer Sohn Ernst dann selber einen Bauernhof hatte, brauchten wir den Platz im hinteren Hausteil nicht mehr. Als du hier zu arbeiten anfingst, welche Geräte hattet ihr damals schon?  Als ich hier anfing, hatten wir erst die grosse Knetmaschine. Ein paar Jahre später kauften wir uns noch eine kleine Knetmaschine und eine Rührmaschine. Wir hatten das alles aber nur in einem ganz kleinen Raum. Konntet ihr damals weniger produzieren?  Ja viel weniger, da wir unter anderem weniger Platz hatten, auch hatten wir noch nicht so viele Produkte. Aber früher verkauften wir mehr Brot. Von deinen Kindern, haben zwei den Beruf Bäcker-Konditor gelernt. Zum einen war da Theo III der jetzige Chef, und zum anderen deine Tochter Ruth. Gab es  Diskussionen um die Firmen-Übernahme? Nein. Ruth wollte die Firma nie. Theo III hat die Firma 1995 übernommen. Gab es einen Grund dafür? Wir sagten, dass wir nicht mehr genug Energie dafür hätten. Hat sich seit seiner Übernahme vieles verändert? Wir hatten zuvor noch nie Ferien gemacht, da wir mit dem Bauernhof und der Bäckerei keine Gelegenheit dazu fanden. Aber das war eine sehr schöne Änderung. Und eben auch der Umbau. Hat sich bei den Produkten etwas verändert? Wir stellten früher schon Patisserie her, aber nicht so viele Sorten und nicht so kleine. Auch mit Apéros begannen wir erst, nachdem Theo III den Betrieb übernommen hatte. Der heutige Kundenkreis ist nicht gerade der grösste. War das früher anders? Kunden hatten wir früher viele auf der Tour. Viel mehr als heute. Im Berg brachten wir früher in jedes Haus Brot. Du gehst 5mal pro Woche auf die Tour. Gibt es Kunden, die du schon fast seit Beginn bedienst? Es gibt viele Kunden, welche ich schon seit Beginn bediene. Ich gehe nun schon seit etwa 38 Jahren auf die Tour. Ganz am Anfang, gingst du dort auch noch mit Ross und Wagen auf die Tour? Nein! Ich hatte Angst vor dem Pferd. Damals waren immer mein Schwiegervater oder mein Mann mit meinen Kindern für die Lieferung zuständig. Ich ging jeweils mit dem Töff und der “Chrätze“, aber nur um einzelne Kunden zu bedienen. Ich ging erst regelmässig, als wir ein Auto hatten. Die Firma überstand beide Weltkriege! Weisst du, ob sie zu der Zeit die Rezepturen angepasst haben um zu sparen? Nein, aber die Brote mussten drei Tage alt sein, damit man sie verkaufen durfte. Was ist die Spezialität der Firma?  Die Schwarzwälder Torte. Aber auch die vielen Apéro Sachen. Woher habt ihr das Rezept für eure Schwarzwäldertorte mit Japonais-Böden?  Mein Mann begann diese herzustellen, nachdem er seine Lehre abgeschlossen hatte, das war 1950. Aber woher er das Rezept hatte, weiss ich nicht. Ihr macht unterdessen auch sonst noch viele Sorten von Torten. Woher hattet ihr die Ideen und Rezepte um diese herzustellen? Mein Mann hatte die Ideen einfach, wenn er an einem Kurs in der Bäcker-Fachschule in Luzern war. Er hatte aber auch viele Bücher von diesen Kursen. Die Konkurrenz ist ja heute der Coop oder der Volg. War das früher noch anders?  Ja, früher hatte es noch weitere 11 Bäckereien in der Gemeinde. Diese waren einfach gut in der Gemeinde verteilt. Die einen gingen auf Touren, auch mit dem Velo, und andere taten das nicht. Was wünschst du dir für die Zukunft der Firma? Ich wünsche mir, dass Theo III noch länger weiter macht und jemand dann die Firma übernehmen wird, so dass die Bäckerei noch länger existieren kann. Aber ich kann das nicht bestimmen, es ist wirklich nur mein Wunsch. Das war auch der Wunsch meines Mannes. Deshalb freute er sich auch so, als Ursina Bäckerin lernte. Danke, Grosi! 9.2 Mit Theo III Meier, meinem Vater  Du hast deine Ausbildung als Bäcker- Konditor zu Hause und bei Bolligers in Wetzikon gemacht! Wieso hast du nicht die ganze Ausbildung bei euch gemacht? Das war so, weil ich der erste Lehrling dieses Betriebes war. Ich habe dann die ersten beiden Jahre zuhause gearbeitet. Wir bauten zu der Zeit auch noch die Werkstatt um, deshalb war ich häufig auf dem Bau. Damit ich mich noch mehr auf den Beruf konzentrieren musste, entschied man sich, dass ich das letzte Jahr bei Bolligers machen sollte wie einst mein Vater. Hast du deine Ausbildung auch mit sehr guten Noten beendet wie dein Vater? Ich hatte auch gute Noten. Man kann diese aber nicht eins zu eins mit denen meines Vaters verglei-chen. Ich schloss die Berufsschule dann auch als zweitbester des Kantons Zürichs ab und durfte deshalb auch an die Schweizermeisterschaft in Luzern. Deine Schwester lernte ebenfalls Bäcker- Konditor. Weshalb hat sie die Bäckerei nicht übernommen? Sie hatte einen Berufswunsch, für welchen man schon 18 sein und einen Beruf haben musste. Deshalb lernte sie Bäcker-Konditorin. Sie hat dann auch, ausser zuhause, nie in diesem Beruf gearbeitet. Du hast die Bäckerei 1995 übernommen! Weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt? Das war vielleicht eher ein Zufall. Ich kann das nicht so genau sagen. Ich wollte sie nicht früher übernehmen, da ich so noch viel Freiheit hatte und Zeit für andere Hobbies. Mein Vater hatte 1994 eine Hirnblutung und wir stellten fest, dass nichts geregelt war. Wir überlegten dann, ob wir mit der Bäckerei noch weiter machen, oder ob wir sie verkaufen sollten. Schlussendlich kamen wir zum Entschluss, dass ich die Bäckerei übernehme, meine Eltern aber lebenslänglich im Haus wohnen dürften. Was ist deiner Meinung nach eure Spezialität? Unsere Schwarzwälder-Torte, die nur wenige Betriebe machen, auch Hefenkränze sind bekannt, ebenso die Schokoladen-Produkte. Aber es wäre nur eine Spezialität, wenn es sonst niemand machen würde. Seit wann stellt ihr diese Torte her? Seit mein Vater aus der Lehre kam, ca. seit 1950 Eine deiner Spezialitäten sind die Hausgemachten Brügeli, wer kam auf die Idee, diese herzustellen? Der Impuls kam von Fritz Ziehler. Ich habe mit seinem Sohn seit 1981 Kontakt. Fritz hatte ein sehr gutes Rezept und für ihn als Confiseur war es einfach, diese zu machen. Wie und wo stellst du diese her? Wir stellen diese bei Philipp Ziehler im Toggenburg her, da er dort gut eingerichtet ist. Eine andere Spezialität ist der Hefenkranz. Seit wann stellt ihr den her? Vermutlich wurde dieser von meinem Vater eingeführt, da mein Grossvater nur Brot, Chröli und Wähen machte. Seit wann stellt ihr Osterhasen her? 1981 habe ich von Philipp ein paar mit heim genommen um diese bei uns zu verkaufen. Danach begannen wir jedes Jahr, welche bei ihm herzustellen. Einige Male produzierten wir auch bei uns zu hause. Die Bäckerei ist abseits gelegen. Woher  kommen die meisten eurer Kunden? Die meisten unserer Kunden haben wir auf den Brottouren. Dann noch das Spital Wetzikon und auswärtige Käufer, die mehr oder weniger regelmässig kommen. Einer ihrer grössten Kunden ist das Spital Wetzikon. Seit wann ist das GZO ein Kunde von euch? Wir beliefern das Spital seit 1998. Dadurch wurde das Sortiment im Laden besonders unter der Woche breiter. Aber für diesen Auftrag brauchten wir erst grössere Räume für die Produktion. (Anm: Seit einiger Zeit gehören auch das GerAtruim in Pfäffikon sowie das Alters -und Pflegezntrum Hinwil zu unseren Kunden) Was ist für euch die grösste Konkurrenz? Grundsätzlich sind das andere Bäckereien. Aber für uns  macht es nicht gross einen Unterschied, ob es im Dorf ein Geschäft hat oder nicht. Mit Migros und Coop können wir uns schon rein von den Preisen her nicht vergleichen. Aber wir versuchen, Gebäcke herzustellen, die man bei denen nicht bekommt. Dazu gehört z.B. Kundenwünsche zu erfüllen. Ganz nach dem Motto “Geht nicht, gibt’s nicht“. Auch versuchen wir, die Qualität hoch zu halten. Hat sich die Konkurrenz seit früher gross verändert? Sie hat sich verändert, weil es damals mehr Bäcker hatte. Früher konnte man mit weniger Geld leben als heute und man hatte noch die Landwirtschaft. Heute muss man halt mehr verkaufen als früher um zu überleben. Die Konkurrenz ist zwar anzahlmässig kleiner geworden, aber vom Druck her ist sie immer noch gleich gross. Seit wann bildet ihr Lehrlinge aus? Seit ich meine Lehre startete. Nach mir kam meine Schwester und von da an hatten wir eigentlich regelmässig Auszubildende. Wie viele Angestellte hast du im Moment und für welche Bereiche sind sie zuständig? Im Moment habe ich zwei ausgelernte Bäcker-Konditoren und vier Lehrlinge im Betrieb und noch eine Praktikantin. Markus Sigrist hat die Verantwortung für die Bäckerei, Katja Sudler ist hauptsächlich in der Konditorei. Die Lehrlinge werden abwechselnd eingesetzt. Hat eine deiner Töchter auch diesen Beruf gelernt? Ursina, die zweite meiner fünf Töchter, hat auch Bäcker-Konditor gelernt. Sie wollte das von sich aus, ohne dass wir sie gedrängt hätten. Für mich war es wichtig, dass sie die Ausbildung nicht zuhause macht, damit sie auch noch anderes sieht. Ich unterstütze es auch, dass sie das heute noch so macht. Wird sie die Bäckerei einmal übernehmen?  Sie sagt immer noch, dass sie das will. Es wird ihr Entscheid sein. Wenn nicht, was tut ihr dann? Wenn sie das nicht macht, müssen wir dann halt schauen. Vielleicht machen wir aus dem Betrieb noch Wohnungen, die man vermieten kann. Was ist für dich am wichtigsten an deinem Betrieb? Mir ist wichtig, dass wir qualitativ gute Backwaren herstellen, dass wir fair sind im Umgang mit den Kunden, dass wir in der Lehrlings-Ausbildung anständig, ehrlich und offen miteinander umgehen. Seit du hier arbeitest, was hat sich gross geändert? Die Abläufe im Betrieb. Da wir heute alles auf einer Ebene haben. Wir sind technisch besser eingerichtet, das Sortiment wurde grösser und es sind mehr Angestellte. Die Preise haben sich sowohl im Verkauf als auch im Einkauf verändert. Was wünschst du dir für die Zukunft der Firma? Wenn es irgendwie geht, dass es weiter geht.  10 Stammbaum der Besitzer Gottfried (1864- 1936) – Karoline Kunz o 8 Kinder: Gottfried, Gottfried, Ernst, Karl, Karl, Theodor, Martha, Alfred (Gottfried und Karl starben innerhalb eines Jahres, deshalb gab man den Namen einfach an das nächste Kind weiter!) Theodor (1898- 1982) - Pauline Schoch (1903- 1976) o 1 Kind: Theodor Theodor II (1930- 2010) - Elsbeth Meier (1935) o 7 Kinder: Elsbeth, Hanna, Theodor, Christine, Ruth, Markus, Ernst Theodor III (1959) - Regula Hunziker (1964) o 5 Kinder: Regula, Ursina, Christa, Anni-na, Monika 11 Nachwort Mir hat es viel Spass gemacht, mehr über unsere Bäckerei herauszufinden, da ich nicht viel darüber wusste. Am meisten lernte ich bei den Interviews, die ich mit meinem Vater und meiner Grossmutter machte. Ich bin den beiden sehr dankbar, dass sie sich immer wieder die Zeit , mir zu helfen. Ebenso bin ich anderen Verwandten sehr dankbar, die mir manchmal Fotos suchten oder mir Infos gaben, wenn ich diese noch brauchte. Genau so dankbar bin ich meiner Mutter, weil sie mir beim Schreiben und beim Korrigieren half. Ich hoffe, dass ihr als Leser/innen viel Neues über die Bäckerei Meier erfahren habt. Danke fürs Lesen! Monika Meier